PRO FAUNA - Aktionsgemeinschaft zum Schutz wildlebender Tiere e.V.
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Flusspferd-Aktion

Tierschutz im Zirkus ist seit Jahrzehnten ein heikles Thema. Besonders dann, wenn es sich um Tiere handelt, deren Bedürfnisse unter den Bedingungen eines reisenden Gewerbes schon grundsätzlich kaum befriedigt werden können. So wirken z.B. Flusspferde sehr robust, aber sie sind es nicht. Kälte vertragen die Tiere nicht, und lässt man sie nicht regelmäßig im ausreichend dimensionierten Badebecken zu Wasser, nehmen sie Schaden.
Im übrigen müssen selbst Tierlehrer (früher Dompteure genannt, davor Tierbändiger) einräumen, dass Flusspferde aufgrund ihres Körperbaus im Zirkus kaum zu gebrauchen sind. Männchen machen oder von Podest zu Podest durch Feuerreifen springen, ist ihnen, wie selbst der Laie erkennt, nicht möglich.

Wir wurden 1985 auf ein solches Zirkus-Flusspferd aufmerksam.
Es war unterernährt und wies Erfrierungen auf. Ein hinzugezogener zoologischer Sachverständiger konstatierte erhebliche, strafrechtlich relevante Schmerzen, Leiden und Schäden, doch die Behörden blieben untätig. Lediglich ein einziger ambitionierter Amtstierarzt verfolgte das Geschehen weiter. Das taten auch wir, erstatteten insgesamt sieben Strafanzeigen, und die 7. "griff".

Das Tier wurde beschlagnahmt und im Tierpark Thalhof in Steinau (Hessen) provisorisch untergebracht. Genau genommen wurde es mangels Flusspferdgehege einfach auf eine Wiese gestellt. Ein Gehege bauten dann die Pioniere der US-Armee, hoben auch einen großen Teich aus, und die Ortsfeuerwehr setzte alle Fahrzeuge ein, um Wasser für den Pool anzuliefern.
Zum Glück brach an diesem Tag nirgendwo in der Region Feuer aus.

Unser Schützling brauchte nun nur noch einen Namen und - wesentlich wichtiger - eine Zukunft, denn Geld für den Bau eines beheizbaren Stalls hatte niemand, also musste ein aufnahmebereiter Zoo mit passender Unterkunft ermittelt werden.
Der Name war rasch gefunden. Aus der wissenschaftlichen Bezeichnung für Flusspferde - Hippopotamus amphibius - machten wir "Poti". Das Tier schien damit einverstanden zu sein. Genau genommen war es mit allem einverstanden, was rund war und "Apfel" hieß.
Schwieriger, ja deprimierend, war die Befragung von 79 europäischen Zoos. Wer Flusspferde hatte, besaß genügend viele, wer keine hatte, wollte auch keine haben. Der 80. Versuch war ein Volltreffer. Ein Tierpark bei Mombasa in Kenia lockte mit viel Platz, großem Teich - und "Sally", einer möglichen Partnerin für "Poti".

Da Behörden nicht als Exporteure von Flusspferden in Erscheinung treten wollen, mussten wir "Poti" käuflich erwerben.
Auf grüner Wiese überreichten wir einem Obergerichtsvollzieher 500 DM und erhielten dafür eine Quittung.
Zeugen des Verkaufs waren ein Flusspferd und ein Staatsanwalt.
Am 26. Oktober 1986 reiste unser Tier nach Kenia, freundete sich mit "Sally" an - und lebt heute noch.

 

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"Poti" im Zirkus
vorher
"Poti" im Zirkus
"Poti" drei Monate später

 

 

nachher

 

"Poti" drei Monate später

 

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